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Digitale Geschäftsmodelle

Was ist eigentlich ein Geschäftsmodell?

Ein Geschäftsmodell bezeichnet die Logik wie eine Organisation bzw. ein Unternehmen Mehrwert für ihre Kunden kreiert und einen Ertrag generiert.

Die Entwicklung eines Geschäftsmodells beginnt oft mit einer Kundenanalyse

Welche Bedürfnisse, Probleme oder individuelle Interessen haben aktuelle und/oder potentielle Kunden und wie trägt das Leistungsangebot dazu bei, diese zu lösen? Das sind die Kernfragen, die sich ein Unternehmen stellen sollte, wenn es mit der Entwicklung eines Geschäftmodells beginnt.

Durch die Digitalisierung werden zunehmend Lösungen statt einzelne Produkte nachgefragt, weshalb vermehrt zusätzliche Dienstleistungen angeboten werden. Um wirtschaftlich erfolgreich und konkurrenzfähig zu bleiben, müssen KMU ihre Angebote anpassen. Grundlegend dafür ist die Analyse der Geschäftsprozesse des Unternehmens sowie potentielle Möglichkeiten, Gewinne zu erzielen und Kundenprobleme zu lösen. Dabei wird u. a. überprüft, welche Schlüsselressourcen, -prozesse und -partnerschaften für die Realisierung des Geschäftsmodells notwendig sind, wie die Kostenstruktur und die Gewinnerzielung gestaltet werden kann und wie das Nutzenversprechen des Unternehmens möglichst effizient kommuniziert werden können. Die Umsetzung des Geschäftsmodells sollte ausführlich geplant werden – auf der einen Seite Zulieferer, Partner und Kunden, auf der anderen Seite neue Aufgaben und Verantwortlichkeiten.

Was bringt die Analyse des aktuellen Geschäftsmodells den mittelständischen Unternehmen?

Durch die Analyse werden wesentliche Elemente der Geschäftstätigkeit sowie der Wertschöpfungskette dargelegt. Deren vielfältige Beziehungen werden identifiziert und auf vereinfachte Weise dargestellt, was Zusammenhänge und Grundmechanismen offenlegt. Internen und externen Stakeholdern können Zusammenhänge der Geschäftstätigkeit leichter und strukturierter dargelegt werden. Weiterhin kann die Analyse zur Weiterentwicklung des Geschäftsmodells bis hin zur Erarbeitung eines neuen, innovativen Geschäftsmodells genutzt werden. So können Unternehmen beispielsweise neuartige zusätzliche Dienstleistungen entwickeln und die Implementierung strukturiert planen.

Inwiefern spielen Standards bei der Entwicklung eines Geschäftsmodells eine Rolle?

Standards stellen eine wichtige Voraussetzung für die digitale Transformation von Geschäftsmodellen dar. Sie fungieren als „Dolmetscher“ an den Schnittstellen zwischen verschiedenen Systemen, zwischen Systemen und Akteuren und sorgen für einen reibungslosen Datenaustausch im Unternehmen und zwischen den Unternehmen und verhindern Medienbrüche. Doch welchen konkreten Einfluss haben eStandards auf das Geschäftsmodell?

Durch Identifikationsstandards z.B. wird eine eindeutige Identifikation von weltweiten Dienstleistungen möglich. Es kommt zu einer Effizienzsteigerung durch die Vermeidung von Fehlern aufgrund der Verringerung manueller Prozesse. Ein Beispiel für einen solchen Standard wäre beispielsweise GTIN.

Mithilfe von Klassifikationsstandards (z.B. eCl@ss) ist eine Beschreibung und Klassifizierung von Produktstammdaten möglich. Diese können dann über alle Branchen, Länder, Sprachen sowie Organisationen hinweg ausgetauscht werden. Dies führt zu einer verbesserten Kommunikation mit Kunden und Partner und somit zu einer effizienteren und schnelleren Wertschöpfungskette. Circa 90% der Unternehmen gaben als Nutzen der Einführung von eStandards beschleunigte Geschäftsprozesse an (Mittelstand-digital, 2014).

Standards für den Katalogaustausch (beispielsweise BMEcat) ermöglichen einen automatisierten Austausch von Katalogen zwischen Lieferant und beschaffendem Unternehmen. Dadurch wird die Gewinnung neuer Kunden, beispielsweise durch Anbindung der Produktkataloge an Vertriebsplattformen, möglich. Als Nutzen der Einführung von eStandards gaben über 40% der Unternehmen neue Märkte und höhere Umsätze an (Mittelstand-digital, 2014).

Der elektronische Rechnungsaustausch zwischen Unternehmen, Behörden und Verbrauchern kann mithilfe von Transaktionsstandards geschehen. Durch eine durchgängige Automatisierung der Rechnungsstellung kann eine Effizienzsteigerung erreicht werden. Dafür eignet sich beispielsweise ZUGFeRD.

eStandards unterstützen in vielen Unternehmen operative Geschäftsprozesse und tragen dazu bei, Geschäftsmodelle geringfügig zu verändern oder komplett neue digitale Geschäftsmodelle und Dienstleistungen zu entwickeln und zu implementieren.

 

Quellen:

  • Schallmo, Daniel R.A. (2013) Geschäftsmodelle erfolgreich entwickeln und implementieren, Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg, S. 13-14
  • https://bit.ly/2TLAizv (Stand 14.01.2019)
  • Bieger, T.,/Reinhold, S.: Innovative Geschäftsmodelle: Konzeptionelle Grundlagen, Gestaltungsfelder und unternehmerische Praxis.
  •    2011, S. in: T. Bieger, D. zu Knyphausen-Aufseß,/C. Krys (Eds.), Innovative Geschäftsmodelle: 13-70.
  • Abdelkafi, N.; M. Radic (2018): eStandards – Enabler der digitalen Transformation von Geschäftsmodellen. In: Bullinger, A.C. (Hrsg.): Innovation der Innovationen – neu gedacht, neu gemacht. Chemnitz: Wissenschaft und Praxis

 

Bildquelle: Fraunhofer IMW