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Energiemanagement reduziert die CO2-Bilanz von Weihnachtsmännern

Online Modelling von Schokoladenformen per Smartphone

Rund 30 Kilometer vor den Toren Münchens liegt der Unternehmenssitz eines Weltmarktführers. Seit mehr als 60 Jahren entwickelt, produziert und vertreibt dort die Hans Brunner GmbH Schokoladenformen für alle Arten von Schokoladenverarbeitern. Zum Kundenkreis gehören globale Branchengrößen sowie Konditoren und mittelständische Betriebe. Die Herstellung der Schokoladenformensätze erfolgt mittels modernster Spritzgussmaschinen und Hochdruckpressen, ist aber dennoch sehr energieintensiv.

„Als mittelständischer Formenhersteller ist die Hans Brunner GmbH stets auf der Suche nach Innovation und Verbesserung, um den Nutzen für unsere Kunden zu erhöhen. Dabei müssen alle Leistungen und Kosten des Unternehmens im Blick stehen. Insbesondere die Energiekosten, denn die Produktion der Formen mit unseren Spritzgussmaschinen ist energieintensiv“ erläutert Christoph Schwaiger, Prokurist der Hans Brunner GmbH. Den Energie- und Ressourcenverbrauch zu steuern und zu überwachen, bringt zwar Kosten- und Wettbewerbsvorteile, allerdings ist es für mittelständische Unternehmen sehr aufwändig, alle Verbräuche bis auf das Niveau einzelner Maschinen zu erfassen und in einem effizienten Energiemanagementsystem zusammen zu führen.

Digitalisierung als Schlüsselrolle

Daher beteiligt sich die Hans Brunner GmbH am Pilotprojekt „Energiemanagementdaten“ des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums eStandards. In diesem Projekt soll gemeinsam mit einem weiteren Mittelständler, der Möbel Jobst GmbH auch aus Bayern, die Digitalisierung des Energiemanagements weiter vorangetrieben werden. Gerade im Energiesektor spielt die Digitalisierung eine Schlüsselrolle. Ohne Transparenz über aktuelle Erzeugung und Verbrauch von Energie ist die erfolgreiche Energiewende gar nicht denkbar.

Nachhaltigkeit spielt große Rolle bei Brunner

„Auch im Bereich Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung sind wir weit vorne. Es gehört zum Selbstverständnis unseres Unternehmens, Verantwortung für Produkte und Prozesse, Mitarbeiter, Kunden und Partner genauso wie für Gesellschaft und Umwelt zu übernehmen“, sagt Christoph Schwaiger,. „Als weltweiter Marktführer in der Herstellung von Schokoladenformen leisten wir einen aktiven Beitrag über die gesetzlichen Vorgaben hinaus und arbeiten kontinuierlich an der Steigerung unserer Energieeffizienz.“  Ein großer Teil der Energieeinsparungsmaßnahmen setzt dabei an den Produktionsprozessen an, die wie eingangs erwähnt, sehr energieintensiv sind. Ein weiterer Teil wird durch innovative Ideen und durch das Engagement der etwa 150 Mitarbeiter eingespart. Über die Senkung des Energieverbrauches durch neue, effizientere Anlagen, Dämmung und Wiederverwendung von Energie konnten schon erhebliche CO2-Einsaprungen erzielt werden.

Jährlich neue Ziele für bessere Energieeffizienz

Die Geschäftsleitung der Hans Brunner GmbH formuliert jährlich neue Einsparziele und motiviert die Belegschaft zu nachhaltigem Handeln, Wirtschaftlichkeit und Ressourcenschonung. Auch die Energiewende hat bei Brunner längst Einzug gehalten: Seit vielen Jahren werden keine fossilen Brennstoffe mehr verwendet, sondern auf Wärme-Rückgewinnung und nachwachsende Rohstoffe gesetzt. Zudem hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren konsequent Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz umgesetzt:

  • Natürliche Kühlung durch Flusswasser
  • Druckluftkompressoren mit Wärmetauschern
  • Wärmeisolierung der großen Energieverbraucher
  • Verbesserte Produktionsprozesse zur Vermeidung von Ausschuss
  • Einsatz regenerativer Energien
  • Kontinuierliche Wärmerückgewinnung und Gebäudedämmung
  • Photovoltaik
  • Ausschließlicher Einsatz von zertifiziertem Ökostrom
  • Strom-Monitoring sichert die nachhaltige Optimierung
  • Heizungs-Überwachung steuert und regelt im Netz
  • Permanenter Austausch alter Beleuchtungssysteme
  • Recycling (seit 2012): Ca. 14.000 kg Polycarbonat und ca. 250 000 Magnete werden dem Wertekreislauf jedes Jahr wieder zugeführt und somit Ressourcen geschont.
  • Die Kraftfahrzeugflotte wird kontinuierlich durch E-Autos ersetzt
  • Über 50 Firmenfahrräder und E-Bikes werden den Mitarbeitern zur Verfügung gestellt.

Ständige Anlagenoptimierung sorgt für deutliche CO2-Reduktion

Um die Energieeffizienz kontinuierlich zu steigern, unterliegen die Produktionsprozesse einer permanenten Überwachung und werden ständig optimiert. So wurde eine Verformungsanlage installiert, die auf einen Großteil der Vorheizung verzichtet und wohl weltweit die Einzige in ihrem Bereich ist.

Die Installation einer neuen Klimaanlage für die Büroräume Anfang 2014 brachte eine Einsparung von 60.000 kWh oder 2,4 Tonnen CO2 pro Jahr. Die bisher rein durch Kältekompressoren erzeugte Kälte konnte mit einer elektrischen Leistungsaufnahme von 36 kW eine maximale Kälteleistung von 79 kW bereitstellen. Die neu eingesetzte Klimaanlage kann bei einer Leistungsaufnahme von 25 kW eine Kälteleistung von 73 kW bereitstellen und hat zusätzlich die Funktion der „Freien Kühlung“ mit einer Kälteleistung von 65 kW. Durch diese Funktion kann in ca. 850 h/a der Einsatz der elektrisch erzeugten Kälte verdrängt werden.

Derzeit wird ein Konzept umgesetzt, das alle größeren Verbraucher in einen „Energie-Ring“ einbindet. Alle Maschinen zur Kühlung und zur Heizung werden aufeinander abgestimmt und in einem optimierten System eingesetzt. Das Kernstück dieses Konzeptes ist die Aktivierung der Bodenplatten des Neubaus und die Miteinbeziehung der bestehenden aktivierbaren Flächen. Durch die Nutzung der innenliegenden Flächen als Wärmespeicher, der Abwärme von Maschinen und alternativ beheizte Rampen wird jährlich eine Menge von 15,6 Tonnen CO2 eingespart.

Auf den Dächern der Firma Brunner wurden bis Februar 2019 über 1.300.000 kWh Sonnenlicht in Strom umgewandelt. Photovoltaik-Module mit insgesamt 260 kWp sorgen dafür, dass die überdurchschnittliche Sonnenscheindauer von 1.400 bis 1.700 Stunden in Bayern pro Jahr perfekt genutzt werden.

„Die Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz ist ein kontinuierlicher Prozess, der ständig neue Ideen benötigt. Die Beteiligung am Pilotprojekt des Kompetenzzentrums eStandards zum Energiemanagement bietet daher eine gute Gelegenheit, unseren Energieverbrauch extern monitoren zu lassen, Digitalisierungspotenziale des Einsatzes von eStandards zum überbetrieblichen Austausch von Energiemanagementdaten aktiv zu nutzen und neue Ideen zur weiteren Verbesserung unseres Energiemanagements zu generieren“, resümiert Christoph Schwaiger.

Wollen auch Sie den Energieverbrauch in Ihrem Unternehmen reduzieren und auf Digitalisierung und Energiemanagement setzen, kontaktieren Sie uns oder kommen Sie zu unserer Fachveranstaltung am 13.06.2019 in Köln. Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten finden Sie hier.

Autor: Tobias Wolff

Bildquelle: GS1 Germany