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Standards für den Mittelstand: Abwarten ist keine Alternative

Unternehmertreff von Schaewen AG

Das Fehlen von Standards für die digitale Transformation im industriellen Umfeld ist für viele Unternehmen eine Innovationsbremse. Das Stahlverarbeitungsunternehmen von Schaewen hat am Standort Wetter/Ruhr deshalb ein eigenes System für die Planungs- und Produktionssteuerung entwickelt.

Die von Schaewen AG ist ein mittelständischer Komplettanbieter für Stahlprodukte. An drei Standorten in Deutschland und in einem weiteren Werk in Polen wird Stahl geschmiedet und verarbeitet. Als IT-Verantwortlicher des Unternehmens beschäftigt sich Thomas Brockmann schon seit geraumer Zeit mit den Möglichkeiten der Digitalisierung – und musste immer wieder feststellen, dass die Umsetzung sinnvoller Ideen an fehlenden Standards scheitert. „Die Wirtschaft braucht Standards, und der volkswirtschaftliche Nutzen liegt auf der Hand“, sagt Brockmann und spart auch nicht mit Kritik: „Die Politik kümmert sich nach meiner Meinung um die falschen Themen, sowohl auf Bundes- als auch auf europäischer Ebene.“

Wie vielen Produktionsbetrieben brannte auch der von Schaewen AG die Verknüpfung von Planungs- und Produktionssteuerung (PPS) mit Warenwirtschaft und Dokumentenmanagement am meisten unter den Nägeln. Proprietäre Lösungen jedoch kamen schon wegen der immensen Kosten für Schnittstellenprogrammierung und absehbarer Zusatzkosten für Updates und Wartung nicht in Frage. „Abwarten war allerdings auch keine Alternative“, sagt Thomas Brockmann, „also haben wir selbst programmiert, was wir brauchten.“.

Browserbasiertes System aus Kostengründen selbst programmiert

Das System ist browserbasiert nutzbar, hat eine einfache Benutzeroberfläche ohne graphische Gimmicks, damit der Datendurchsatz auch bei schlechter Verbindung schnell genug ist und nutzt – wo erforderlich – nur Standards, die bereits weit verbreitet sind.

Für jede Arbeitsstation im Werk sind damit beispielsweise folgende Informationen verfügbar:

  • Übersicht der anstehenden Fertigungsaufträge,
  • Priorisierung der Aufträge,
  • Auftragsdaten je Auftrag (Ressourcen, Gewicht, Materialplanung etc.),
  • Dokumente (Konstruktionszeichnungen, Arbeitsanweisungen, Lieferscheine etc. stehen durch Zugriff auf das Dokumentmanagementsystem zur Verfügung),
  • automatisch erstellte Produktionsanweisungen in Abhängigkeit vom jeweiligen Werkstoff, um die Arbeitsvorbereitung zu erleichtern und Fehler zu vermeiden.

Diese Daten sind auch per Handy oder Tablet abrufbar; bei der Konzeption wurde Wert darauf gelegt, wirklich nur die am Arbeitsplatz benötigten Daten zur Verfügung zu stellen. Die im System abgelegten Daten werden auch für die Vor- und Nachkalkulation genutzt.

Cyber-Security spielt eine große Rolle

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass vor allem eine umfassende Datenhaltung den gut 30 Teilnehmern aus mittelständischen Produktionsfirmen Kopfzerbrechen bereitet. „Sie haben ja praktisch das komplette Fertigungs-Know-how im System“, bemerkte ein Teilnehmer. Bei von Schaewen ist man sich der Problematik und der Bedeutung umfassender Cyber-Security bewusst und nutzt alle verfügbaren Möglichkeiten zum Schutz vor Angriffen von außen. Aber Thomas Brockmann räumt auch ein, dass hundertprozentige Sicherheit, insbesondere im Hinblick auf Datendiebstahl im Unternehmen, nicht erreichbar ist.

Autor: Ulrich Hardt

Bildquelle: Nico Piepenstock