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EPCIS

Echtzeitkommunikation für transparentere Prozesse

 

Was ist EPCIS?

EPC Information Services (EPCIS) ist ein Standard aus dem GS1-System zum Austausch EPC-bezogener Informationen zwischen Geschäftspartnern. EPC steht dabei als Abkürzung für "Elektronischer Produktcode".

Was kann EPCIS?

EPCIS bietet das Potenzial zur Verbesserung von Effizienz, Sicherheit und Transparenz entlang der globalen Versorgungskette. EPCIS erleichtert die unternehmensinterne Datenerfassung ebenso wie den externen Datenaustausch über physische Warenbewegungen. Unternehmen können so Informationen leichter austauschen, indem sie "dieselbe Sprache sprechen". Dabei stellt EPCIS standardisierte Schnittstellen zur Verfügung, die eine Entwicklung von Geschäftsanwendungen mit wesentlich genaueren Informationsdetails ermöglichen, als es heute der Fall ist.

Welche Informationen können über EPCIS ausgetauscht werden?

EPCIS ermöglicht den Austausch von Informationen darüber, was, wo, wann und warum entlang jeder Versorgungskette geschehen ist (sogenannte Ereignisse oder englisch Events). Dies umfasst wichtige Geschäftsinformationen wie Zeit, Ort, Status und Prozessschritt jedes Ereignisses im Laufe der Verweildauer eines Produktes in der Versorgungskette. Während EPCIS ein wesentlicher Bestandteil des EPC-Netzwerks ist, unterscheidet es sich von den tiefer gelegenen Schichten der Architektur in drei Hauptaspekten:

  1. EPCIS beschäftigt sich vor allem mit historischen Daten über Ereignisse von getaggten Objekten in der Versorgungskette.
  2. Häufig beschäftigt sich EPCIS nicht nur mit den reinen Beobachtungsdaten, sondern auch mit Kontexten, die solchen Betrachtungen eine Bedeutung verleihen, bezogen auf spezifische Schritte in operativen oder analytischen Geschäftsprozessen.
  3. EPCIS arbeitet in der Unternehmensinfrastruktur auf unterschiedlichen Ebenen. Das liegt daran, dass Unternehmen, die EPCIS-Daten untereinander austauschen, wahrscheinlich unterschiedliche Software-Lösungen (z. B. ERP-Systeme) einsetzen, um ähnliche Aufgaben zu erfüllen.

Mit welchen Daten beschäftigt sich EPCIS?

Allgemein beschäftigt sich EPCIS mit zwei Arten von Daten: Ereignisdaten und Stammdaten. Ereignisdaten treten auf, wenn Geschäftsprozesse durchgeführt werden; sie werden durch die EPCIS-Erfassungsschnittstelle erfasst und für Abfragen über die Abfrageschnittstelle zur Verfügung gestellt. Stammdaten sind zusätzliche Daten, die den notwendigen Kontext für die Interpretation der Ereignisdaten liefern.

Wird der elektronische Datenaustausch EDI durch EPCIS ersetzt?

Nein. EDI wird durch EPCIS nicht ersetzt, sondern ideal ergänzt: Durch die zeitpunktbezogene Protokollierung von Ereignissen erhöht EPCIS die Transparenz von Warenbewegungen. Denn der EPCIS Standard stellt eine Möglichkeit zur Verfügung, detaillierte Massendaten über Ereignisse und den Produktstatus zwischen kooperierenden Geschäftspartnern auszutauschen. EPCIS ist nicht auf Beschaffung, Planung, Angebotsabgabe, Rechnungsstellung etc. ausgerichtet, was typischer Weise über EDI in Geschäftsnachrichten zwischen zwei Geschäftspartnern ausgetauscht wird.

Stammdatenmanagement und Datensynchronisierung bei EPCIS?

Das Global Data Synchronisation Network (GDSN) ermöglicht die Verwaltung von Produktinformationen. Einige Beispiele sind Produktbeschreibung, Verpackungsabmessungen, Abhängigkeit der GTIN, Gewicht, etc. EPC-Daten beziehen sich auf den physischen Warenfluss eines Produkts während seiner Lebensdauer. Die Verbindung zwischen diesen beiden Welten ist die Produktidentifikationsnummer, z. B. GTIN. Die Prinzipien der Synchronisierung werden durch die Einführung von EPCIS nicht beeinträchtigt.

EPCIS: Wer sollte meine Daten lesen können, und welche Daten?

Die Vereinbarung zur Zusammenarbeit zwischen den Geschäftspartnern definiert die Zugangsrechte zu spezifischen Daten. Ein Unternehmen kann Geschäftsereignisse von der Middleware erfassen, indem es EPCIS in die vorhandene IT-Infrastruktur mittels Webservices integriert und den Handelspartnern gesicherte Zugänge zu den EPCIS-Daten über die Abfrageschnittstelle gewährt. Um gesicherten Datenzugang zu haben, gibt es zwei Sicherheitsmechanismen, die in der EPCIS-Spezifikation beschrieben sind: Authentifizierung und Autorisierung.

Ist der Einstieg für mittelständische Unternehmen in EPCIS machbar?

Die Hürden, die Unternehmen bei der Einführung von EPCIS überwinden müssen, sind niedriger, als viele vermuten. EPCIS spezifiziert lediglich die Schnittstelle zum Austausch von EPC-Ereignisdaten. Der Standard legt nicht fest, wo und wie die Ereignisdaten gespeichert werden. Unternehmen müssen im Wesentlichen nur darauf achten, dass ihr EPCIS-System die Erfassungs- und Abfrageschnittstelle standardkonform beherrscht. Unabhängig davon verfügen viele Unternehmen bereits über eine Reihe von Systemen wie Barcode- bzw. RFID-Lesegeräte oder Fertigungsanlagen, die automatisch Rohinformationen über die Abläufe der Firma liefern. Im Wesentlichen müssen diese Daten lediglich durch den Geschäftskontext angereichert werden, um sie anschließend in Form von EPCIS-Ereignisnachrichten verfügbar zu machen. Unternehmen erhalten damit eine hervorragende Grundlage zur Optimierung ihrer unternehmensinternen und -übergreifenden Geschäftsprozesse

Die Vorteile von EPCIS auf einen Blick

  • Höhere Transparenz in der Prozesskette
  • Mehr Prozess-Transparenz durch Echtzeitübertragung
  • Tracking & Tracing bis auf Einzelteilebene
  • Automatisierung von Geschäftsprozessen
  • Chancen für neue Geschäftsmodelle und -prozesse

Digitalisierungsvorhaben mit EPCIS

Der Coburger Handtuch- und Mattenservice CHMS, der Chargen von Schmutzfangmatten künftig mithilfe von Standards identifizieren möchte, um diese mit Maschinendaten aus dem Reinigungsprozess zu kombinieren setzt für eine erfolgreiche Chargenverfolgung auf EPCIS. Lesen Sie mehr im Projektsteckbrief von CHMS