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Usability

Gebrauchstauglichkeit

 

Usability: Definition und Norm(en)

Als Usability, dt. „Gebrauchstauglichkeit“, wird das übergeordnete Ziel bezeichnet, dem Nutzer eines Produktes, Systems oder Services in einem bestimmten Anwendungskontext zu ermöglichen, in möglichst effizienter, effektiver und zufriedenstellender Weise ein Anwendungsziel zu erreichen. Der Begriff ist in der DIN EN ISO 9241-210 festgelegt und wird als Teil der Mensch-System-Interaktion verstanden.

Der Begriff der Usability ist durch das Feld der Softwareentwicklung populär geworden, hier ist im deutschen Sprachgebrauch allerdings i.d.R. von „Software-Ergonomie“ die Rede, während für haptische, bzw. physische Produkte eher der Begriff der Gebrauchstauglichkeit benutzt wird. Nichtsdestotrotz findet das Prinzip der Usability in beiden Bereichen Anwendung. Usability ist zudem eng verwandt mit den Prinzipien der Benutzerfreundlichkeit (engl. User Friendliness) und dem Feld der User Experience (UX).

Usability in der Praxis

In der Usability geht es grundsätzlich immer darum, den Nutzer in den Vordergrund der Entwicklung zu stellen und von Anfang an in den Entwicklungsprozess einzubinden. Usability folgt dabei einem iterativen Prozess, bei dem die Benutzer in jedem Schritt der Überarbeitungsschleife eingebunden sind.

Usability-Methoden zur Produktentwicklung umfassen dabei verschiedene, oft spielerische Ansätze.
Bekannte Beispiele sind:

  • Card Sorting

Teilnehmern wird eine Auswahl von (i.d.R. produktbezogenen) Begriffen gezeigt. Diese sollen dann nach Vorstellung der Teilnehmer gruppiert werden. Hierbei gibt es keine richtigen oder falschen Antworten. Das Card Sorting findet oft Anwendung in der Strukturierung von Inhalten, bspw. Auf Webseiten oder allen anderen Arten von Nutzerinterfaces. Der Begriff „Card Sorting“ hat sich etabliert, da die Begriffe i.d.R. auf Karten notiert waren.

  • Fokusgruppen

Fokusgruppen werden zur Evaluation von bestehenden Produkten verwendet. Ein Gruppenleiter begleitet eine Gruppe von vier bis acht Teilnehmern. Diese werden dazu aufgefordert ihre ehrliche Meinung über ein Produkt und Vorschläge zur Verbesserung zu geben.

  • Usability Testing

Teilnehmern eines Usability Testings werden eine Auswahl von fünf bis zehn produktbezogenen Aufgaben gegeben. Diese Aufgaben sind praxisorientiert und sollten sehr konkrete Anwendungsbeispiele abbilden (bspw. „Bitte setzen Sie ihr Passwort zurück.“, oder „Öffnen Sie den Tankdeckel des Autos.“). Ein oder zwei Experimentleiter beobachten den Nutzer und analysieren an welchen Stellen der Aufgabe Probleme entstanden sind.

Usability im Mittelstand

Usability stellt in der frühen Phase der Produktentwicklung einen Kostenfaktor dar, der sich aber früh amortisiert. Wenn Usability von Beginn an in den Entwicklungsprozess integriert wird, können Folgekosten vermieden werden. So wird bereits in der frühen Phase der Entwicklung aufgedeckt, ob die eingeschlagene Richtung für das Produkt oder den Service vom Nutzer als attraktiv empfunden wird, oder ob man rejustieren muss. Dadurch wird vermieden, dass monatelange Entwicklung und große Investitionen getätigt werden, um dann herauszufinden, dass das neue Produkt beim Nutzer keinen Anklang findet.


Die Zunahme der Attraktivität des Produkts steigert außerdem die Nachfrage am Produkt. Verminderter Stress und Unbehagen beim Benutzen des Produkts erhöhen außerdem die Kundenzufriedenheit, was sich positiv auf das Markenimage und somit auf den Absatz auswirkt. Usability benötigt keine größere Infrastruktur. Vielmehr sind Usability-Prinzipien leicht in die Unternehmensprozesse einzubinden und die meisten gängigen Methoden können sowohl digital, als auch per Stift und Papier angewandt werden.