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Umfrage bei KMU: Fünf Erkenntnisse zum Status Quo von nachhaltiger Digitalisierung bei mittelständischen Unternehmen

► Qualitative Umfrage des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums eStandards zeigt Nachholbedarf bei Nachhaltigkeit durch Digitalisierung bei KMU.

► Kreislaufwirtschaft noch nicht im Mittelstand angekommen

► Digitalisierung, um Nachhaltigkeit zu steigern, meist kostengetrieben

 

Köln/Wuppertal. Was genau können kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) tun, um ihre Aktivitäten mittels digitaler Werkzeuge nachhaltiger zu gestalten? Um diese Fragestellung nach Nachhaltigkeit durch Digitalisierung näher zu beleuchten, führte das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum eStandards qualitative Interviews mit Vertretern von KMU aus unterschiedlichen Branchen und von Verbänden. Aus den Ergebnissen wurden die Kernaussagen in einer Infografik zusammengefasst.

Schon der 1968 gegründete Club of Rome erkannte die Langzeiteffekte der wirtschaftlichen Aktivität auf Umwelt und Menschen. Auch mit dem Vorstoß der EU-Kommission zum europäischen grünen Deal und den flankierenden Aktivitäten der Nationalstaaten steigt die Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit. Obwohl diese auch für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) gegeben ist, scheitert derzeit noch oft die konkrete Umsetzung.

Fünf Kernaussagen haben sich bei der Befragung durch das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum ergeben:

1. KMU stellen sich den oft komplexen Herausforderungen der Digitalisierung

Obwohl das Thema Digitalisierung in vielen Lebensbereichen angekommen ist, fällt das Umsetzen im Mittelstand nach wie vor schwerer. Die im Vergleich zu größeren Unternehmen markanteste Herausforderung ist der Ressourcenengpass in KMU: An vielen Stellen, insbesondere im digitalen Bereich, fehlen Fachkräfte, und einige wenige Mitarbeitende müssen mehrere Rollen erfüllen. Meist hat das Tagesgeschäft Vorrang vor digitalen Innovations- oder gar Nachhaltigkeitsvorhaben.

2. Nachhaltigkeit & Digitalisierung werden selten zusammen gedacht

Die zwei Begriffe Nachhaltigkeit und Digitalisierung stehen nicht auf demselben Spielfeld. Die ökologische Nachhaltigkeit ist ein moralisches Konzept, weswegen sie in Wirtschaftsunternehmen nicht die Pflicht, sondern nur die Kür darstellt. Digitalisierung andererseits ist als Werkzeug zu verstehen, ein gewisses Ziel, wie Prozessoptimierung und Kosteneinsparungen, zu erreichen. Oft werden durch Digitalisierungsprojekte auch nur neue Kundenanforderungen erfüllt. Wenn Nachhaltigkeit aber kein Ziel darstellt, dann wird auch wenig oder nur zufällig nachhaltig digitalisiert.

Viele Befragte unterstrichen, dass die Digitalisierung nicht um der Digitalisierung willen gemacht werden darf. Dies hat einerseits mit den obengenannten Ressourcenengpässen, als auch mit der fehlenden digitalen Affinität zu tun. Gleichwohl gaben viele Befragte Anwendungsfälle für digitale Tools oder eStandards an, die der Nachhaltigkeit dienlich sind.

3. Kreislaufwirtschaft bahnt sich noch den Weg in den Mittelstand

Der Grundgedanke der Kreislaufwirtschaft, also ein Schließen des Materialflusses über das Produktlebensende hinaus, scheint noch zu weit weg entfernt vom Kern der meisten KMU zu sein. Nur wenige Unternehmen haben die Kreislaufwirtschaft in ihr Geschäftsmodell integriert.

Hoffnung gibt es hingegen im Logistikbereich: Mehrweg-Behälter scheinen zunehmend Einzug in die Logistik der Unternehmen zu finden. Mehrere KMU haben sogar eigene Behälter entwickelt oder gebaut, um sie spezifisch für die eigenen Bedürfnisse verwenden zu können.

4. Kollaboration ist ein wichtiger Schlüssel für die Kreislaufwirtschaft

Im ersten Moment mag es ungewohnt erscheinen, mit anderen zusammenzuarbeiten, stehen Unternehmen in der Regel im Wettbewerb zueinander. Die Komplexität unserer Wirtschaft und der Umwelt ist mittlerweile allerdings so stark gestiegen, dass nur das Teilen von Wissen und das gemeinsame Erarbeiten von Lösungen zu einem ganzheitlichen Ziel führen wird.

Für die Kreislaufwirtschaft ist unternehmensübergreifende Zusammenarbeit, eine wahrhaftige Kollaboration, ein wichtiger Schlüssel. Die Digitalisierung, vor allem durch die Vernetzung in einem digitalen Ökosystem stellt hierbei einen Enabler dar, diese Kollaboration technisch zu unterstützen.

Um eine solche Kooperation eingehen zu können, mangelt es einigen Befragten an Unterstützungsformaten, die die Anbahnung erleichtern. Foren zum Erfahrungsaustausch und gegenseitige Unternehmensbesuche könnten beim Teilen von Good Practices unterstützen.

5. Motivation zur Nachhaltigkeit ist meist noch kostengetrieben

In den Interviews ergab sich, dass die Motivation für das Thema Nachhaltigkeit bei nur wenigen KMU von innen herauskommt. Es gab nur wenige, die Nachhaltigkeit auch strategisch betrachten und angehen. Natürlich können viele Aktivitäten, wie die Einsparung von Sekundärverpackungen durch Design-Änderung, auch als nachhaltig bezeichnet werden. Allerdings haben sie meist einen ökonomischen Hintergrund, da dadurch Kosten gespart werden.

Sobald KMU sich allerdings intrinsisch motiviert mit der Nachhaltigkeit beschäftigen, treiben sie das Thema auch ernsthaft. So berichteten einige Befragte von der Teilnahme an CO2-Reduktionsprogrammen und einschlägigen Zertifizierungen, die demnächst durchgeführt werden.


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