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Blockchain im Mittelstand: Expertengespräch mit Datarella

Symbolbild für einen Block einer Blockchain | © Gerd Altmann / pixabay.com

Im Rahmen von fünf Expertengesprächen haben wir mit Unternehmen darüber gesprochen, wie sie die Blockchain-Technologie erfolgreich in ihr Geschäftsmodell integrierten, wie sie blockchainbasierte Anwendungen entwickelten und welche Erfolgsfaktoren zur Etablierung eines blockchainbasierten Geschäftsmodells beitragen. Das zweite Unternehmen, mit dem wir gesprochen haben, ist: Datarella.

Datarella – industrielle Blockchain-Lösungen mit Fokus auf Supply Chain, Mobilität und Finanzen

Datarella ist ein etablierter Anbieter von industriellen Blockchain-Lösungen. Das 2013 gegründete Unternehmen mit Hauptsitz in München entwickelt innovative blockchainbasierte Anwendungen für und mit seinen Kunden und Partnern, wie zum Beispiel ein XSC Wallet zur Bezahlung mit Kryptowährungen, eine Software zur Nachverfolgung von Produkten über die gesamte Lieferkette sowie eine App, die ein sicheres und transparentes Spenden an Hilfsorganisationen ermöglicht. Die Kunden des Unternehmens kommen aus einer Vielzahl von Sektoren: Entwicklungshilfe, Versicherungen, Automobilindustrie, Fertigung, Finanzen, Medien und Politik.

Welche Erfolgsfaktoren zum Aufbau des blockchainbasierten Geschäftsmodells beigetragen haben, erläutert Michael Reuter, CEO der Datarella GmbH, in unserem Interview.

Wo bzw. wofür wird die Blockchain-Technologie bei Ihnen eingesetzt?

Zum einen entwickeln wir für und mit anderen Unternehmen Blockchain-Lösungen. Zum anderen bieten wir auch Beratungsleistungen rund um das Thema Blockchain an. Aktuell haben wir den Fokus auf drei Gebiete gelegt: Einmal arbeiten wir verstärkt im Bereich Supply Chain. Eine Umgebung, in der eine Vielzahl von Akteur:innen miteinander ins Geschäft kommt, aber gleichzeitig ihre Daten vor Missbrauch schützen möchte, ist eine ideale Grundlage für Blockchain-Lösungen. Ein weiterer Fokusbereich von uns ist die Mobilität. Gerade beim automatisierten Fahren werden Daten aus verschiedenen Datentöpfen benötigt, die zum großen Teil unterschiedliche Inhaber:innen haben. Auch hier ist wieder ein zentrales Thema die Datensicherheit. In diesem Kontext denken wir ganzheitlich und berücksichtigen auch Machine Learning und Self-Sovereign Identity (SSI)-Architekturen für DSGVO-konforme Lösungen.

Der dritte Bereich, in dem wir aktiv sind, ist der Bereich Finanzen. Das ist auch der Bereich, in dem wir unser erstes Blockchain-Projekt umgesetzt haben und unsere Reputation aufbauen konnten. Damals haben wir für das World Food Programme ein blockchainbasiertes Zahlungssystem in einem jordanischen Camp für syrische Flüchtlinge implementiert. Dieses System wird mittlerweile in drei Ländern von über einer Million Teilnehmenden genutzt.

Was ist das Besondere an Ihren Blockchain-Lösungen und wie entwickeln Sie diese?

Unsere Blockchain-Lösungen entwickeln wir gemeinsam mit unseren Partnerinnen und Partnern. Die Lösungen sind grundsätzlich individuell, da auch immer geprüft wird, welches Blockchain-Protokoll in welchem Anwendungsfall zweckmäßig ist. Wir entwickeln keine eigene Blockchain, sondern arbeiten mit den relevanten Blockchain-Protokollen und passen diese auf unseren jeweiligen Use Case an. Am Ende entsteht dann eine Gesamtlösung. Wir sehen uns also in der Rolle des Integrators. Grundsätzlich profitieren wir in der Entwicklung sehr von unserem Know-how und unseren Erfahrungswerten. Gerade im Bezug auf Ethereum gibt es viele neue Blockchain-Protokolle, die nicht immer unbedingt tragfähig sind. Aus diesem Grund können wir hier nur bedingt systematische Ansätze anwenden (zum Beispiel Listen mit Vor- und Nachteilen) und nutzen eben vor allem unsere Erfahrungswerte.

Welchen Herausforderungen standen Sie bei der Vermarktung gegenüber?

Zunächst war die Vermarktung recht schwierig. Viele Unternehmen kannten Blockchain kaum bis gar nicht. Mit der zunehmenden Popularität der Blockchain-Technologie erhöhte sich auch die Zahl der Anfragen. Diese waren allerdings oftmals mit viel Wunschdenken verbunden. Eine weitere Problematik bestand im Matching. Wir hatten wenig Ahnung von den Anwendungsszenarien unserer Kundschaft und diese kannten sich mit Blockchain nicht aus. Dadurch gestaltete sich die Zusammenarbeit schwierig. Aus diesem Grund haben wir damit angefangen, stärker und enger mit den Partnerunternehmen zu kooperieren. So nutzen wir aktuell insbesondere Workshops, um in den direkten Austausch mit den Kund:innen zu gehen, Fragen oder Unklarheiten persönlich zu besprechen und gemeinsam Konzepte zu erstellen. Was uns enorm bei der Vermarktung unterstützt hat, ist unser bereits beschriebenes Projekt mit dem World Food Programme. Das hat uns geholfen, uns einen Namen in der Branche zu machen.

Haben sich im Laufe der Zeit neue Herausforderungen für Sie im Hinblick auf Blockchain ergeben?

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass man in diesem Themenfeld immer auf dem neuesten Stand bleiben muss. Es ist natürlich noch eine sehr junge Technologie und dementsprechend kommen viele neue Protokolle hervor. Die wollen wir natürlich alle auf dem Schirm haben. Interessanterweise haben sich im Laufe der Zeit eher Herausforderungen in unserem Geschäftsmodell herauskristallisiert bzw. hat es Veränderungen gegeben. Anfangs haben wir verstärkt auf Consulting gesetzt, sind dann aber zur Entwicklung von Anwendungen übergegangen. Wie bereits erläutert, hatten wir außerdem im Matching einige Probleme und arbeiten aus diesem Grund nun sehr eng mit den Unternehmen zusammen. Daraus hat sich dann für uns ein neues Geschäftsmodell ergeben: die Co-Creation-Projekte. Wir entwickeln in Kooperation mit Partnerunternehmen eigene Produkte, die wir dann verkaufen.

Gab es Standards, die Sie zur Entwicklung und Implementierung Ihrer Blockchain-Lösung genutzt haben?

Im Bezug auf Ethereum ist der Standard ERC-20 sehr wichtig. ERC-20 bestimmt die Funktionsweise und die Regeln eines Ethereum-Tokens. Tokens, die auf diesem Standard beruhen, sind leicht austauschbar und können somit gehandelt werden (zum Beispiel an Kryptobörsen).

 

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© Gerd Altmann / pixabay.com

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