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Circular Economy – „Alles hat ein Ende, nur der Kreis hat keins“…

Circular Economy

… postete kürzlich die NGO „Cradle to Cradle“. Im Kreis zu bleiben, ohne sich im Kreis zu drehen, wird künftig über den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens maßgeblich mitentscheiden. Was ist damit gemeint?

Unsere Wertschöpfung befindet sich schon jetzt in einem radikalen Wandel: Aus linearen Wertschöpfungsketten entwickeln sich zunehmend zirkuläre Modelle. Aus der Wegwerfgesellschaft wird eine Wiederverwertungsgemeinschaft. Das Prinzip ist nicht neu. Ressourcenknappheit und die Klimakrise haben jedoch dazu geführt, dass diese Idee zum zentralen Element politischer Überlegungen und Entscheidungen geworden ist. Der Green Deal der Europäischen Kommission ist das aktuellste, wichtigste und konkreteste Beispiel dafür.

Was bedeutet Circular Economy für kleine und mittlere Unternehmen?

Wie können sie Normung als Türöffner für neu entstehende Märkte in der Circular Economy nutzen? Und warum ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, um Normen und Standards aktiv zu gestalten?

Circular Economy bedeutet, Rohstoffe so lange und häufig wie möglich zu nutzen. Natürliche Ressourcen im Idealfall in Kreisläufen zu führen, ohne neue Ressourcen zu verbrauchen. Wenn Produkte künftig kreislauffähig sein sollen, muss dies schon beim Design berücksichtigt werden:

  • Welche Rohstoffe werden eingesetzt?
  • Welche Eigenschaften haben die Rohstoffe?
  • Wie kann bei ihrer Wiederverwertung Qualität und Sicherheit gewährleistet werden?

Diese und andere Fragen werden gerade für produzierende Unternehmen entscheidend sein und können mit Normen und Standards beantwortet werden. Diese sind eine – international gesprochene – Sprache, die über Definitionen und Regeln Türen zu Märkten öffnen. Im Umkehrschluss bedeutet dies auch: Unternehmen, die Normen und Standards nicht einhalten, haben weitaus schlechtere Marktchancen. Im Rahmen des geplanten digitalen Produktpasses sollen oben beschriebene Eigenschaften dokumentiert und Grundlage für die neue kreislauffähige Wertschöpfung werden. Auch hier sind Normen und Standards als regelsetzende Instrumente unabdingbare Instrumente.

Normen und Standards unterstützen aktiv die Circular Economy und tragen dazu bei, Terminologie und Schnittstellen zu vereinheitlichen. Damit wird eine klare Kommunikation und ein geeigneter Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Marktakteuren im Kreislauf sichergestellt, zum Beispiel durch Anforderungen an recyclingfähige Produkte und eindeutige Materialklassifizierung für Hersteller und Recycler.

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So können sich KMU an der Normungsroadmap Circular Economy beteiligen!

Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) heißt das: Produkte, Geschäftsprozesse und -modelle müssen diesen Gegebenheiten angepasst und entsprechend neu gedacht werden:

  • Kann ich künftig beispielsweise noch meine Waschmaschinen verkaufen oder kauft mein Kunde demnächst die Waschgänge?
  • Was muss ich beim Design der Produktion beachten?
  • Welches Einsparpotenzial habe ich beim Materialeinkauf, wenn ich kreislauffähige Produkte anbiete?
  • Welchen (Wartungs-)Service kann ich zu meinem Produkt zusätzlich anbieten?
  • Welche Wettbewerbsvorteile habe ich dank Circular Economy?
  • Last but not least: Welche Normen und Standards muss ich im Rahmen der Circular Economy beachten und wer bestimmt darüber, wie die Standards gesetzt werden?

Die gute Nachricht gleich vorab: Unternehmen sind hier nicht fremdbestimmt, sondern können jetzt mitgestalten. Dies gilt erst recht und in erster Linie für die Normung und Standardisierung. Der Prozess steht noch am Anfang. Normen und Standards müssen in zahlreichen Bereichen erst noch geschaffen werden. Die Unternehmen sind hier gefragt. Um den Bedarf neuer Normen und Standards entlang der Bedarfe von Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft gemeinsam zu erarbeiten, hat das Deutsche Institut für Normung (DIN e.V.) eine Normungsroadmap für Circular Economy ins Leben gerufen.

Ziel der Normungsroadmap ist ein Überblick über den Status Quo der Normung im Bereich Circular Economy zu geben, Anforderungen und Herausforderungen für Schwerpunktthemen zu beschreiben und konkrete Handlungsbedarfe für zukünftige Normen und Standards zu identifizieren und zu formulieren.

Folgende sieben Schwerpunktthemen stehen dabei im Mittelpunkt:

  • Elektrotechnik & IKT
  • Batterien
  • Verpackungen
  • Kunststoffe
  • Textilien
  • Bauwerke & Kommunen
  • Digitalisierung/Geschäftsmodelle/Management

Die Bereiche orientieren sich an den Fokusthemen des Circular-Economy-Action-Plans der EU.

Interessierte Unternehmen können sich ab sofort auf der Kollaborationsplattform DIN.ONE registrieren und kostenfrei an der Erarbeitung der Normungsroadmap mitwirken. Der Startschuss der sieben Arbeitsgruppen ist im Januar 2022 erfolgt. Sie können die Themen in regelmäßig stattfindenden Workshops diskutieren, gemeinsam Inhalte erarbeiten und sich im Netzwerk der rund 800 Expert:innen austauschen. Die Veröffentlichung der Normungsroadmap Circular Economy ist für Dezember 2022 vorgesehen.Sie können hier und jetzt Teil dieses Netzwerks werden.


Autorin: Alexandra Horn, DIN

Copyright: BsWei/Canva

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