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Blockchain im Mittelstand: Expertengespräch mit CircularTree

Symbolbild für den Erfolg von CircularTree mit einer blockchainbasierten Lösung | © CircularTree

Im Rahmen von fünf Expertengesprächen haben wir mit Unternehmen darüber gesprochen, wie sie die Blockchain-Technologie erfolgreich in ihr Geschäftsmodell integrierten, wie sie blockchainbasierte Anwendungen entwickelten und welche Erfolgsfaktoren zur Etablierung eines blockchainbasierten Geschäftsmodells beitragen. Das erste Unternehmen, mit dem wir gesprochen haben, ist: CircularTree.

CircularTree – mittels Blockchain-Technologie das Compliance-Management in der Lieferkette unterstützen

CircularTree ist ein 2018 in Berlin gegründetes Unternehmen, das seinen Fokus auf Compliance-Management in der Lieferkette legt. Das Unternehmen bietet Softwarelösungen für nachhaltige und verantwortungsbewusste Supply Chains an. Dabei macht es sich die Blockchain-Technologie zu Nutze, um bekannte Herausforderungen wie geringe Transparenz, fehlendes Vertrauen und mangelnde Nachverfolgbarkeit in Lieferketten anzugehen.

Welche Erfolgsfaktoren zur Entwicklung und Implementierung der Blockchain-Lösung beigetragen haben, erläutern Kathrin Adam (CMO), Gunther Walden (CEO) und Elias Strehle (CTO) in unserem Interview.

Wofür wird die Blockchain-Technologie bei Ihnen eingesetzt?

Wir nutzen die Blockchain-Technologie zum Tracken des CO2-Fußabdrucks von Produkten über die gesamte Lieferkette. Dabei werden die CO2-Emissionen der einzelnen Produktions- bzw. Veredelungsschritte, unter anderem bei der Herstellung eines Autos, aufsummiert. So schreibt zum Beispiel der Granulathersteller den zum Prozess dazugehörigen CO2-Footprint in die Blockchain. Die Firma, die aus dem Granulat anschließend eine Stoßstange herstellt, dokumentiert den CO2-Ausstoß für diesen Schritt dann ebenfalls in der Blockchain. Am Ende kann der Automobilhersteller genau einsehen, welche CO2-Bilanz die Stoßstange insgesamt hat und welche Verarbeitungsschritte den jeweiligen Anteil daran haben. An jeder Stelle der Lieferkette wird der CO2-Footprint von Expertinnen und Experten verifiziert. Diese Zertifikate werden dann in der Blockchain gespeichert.

Was ist das Besondere an Ihrer Blockchain-Lösung?

Wir sind zum aktuellen Zeitpunkt die Ersten am Markt, die für Supply-Chain-Tracking eine blockchainbasierte Lösung anbieten. Das Besondere ist, dass uns der Einsatz dieser zukunftsorientierten Technologie Erfahrungen sammeln lässt, die so noch kein anderer auf diesem Gebiet gemacht hat. Unsere gewonnenen Erkenntnisse bringen wir aktuell in der Projektgruppe World Business Council for Sustainable Development ein. Hier arbeiten wir unter anderem mit großen Technologieunternehmen an einem gemeinsamen Standard, der darauf abzielt, dass verschiedene Blockchain-Lösungen entlang einer Supply Chain miteinander kommunizieren können. Das werden und wollen wir dann natürlich auch in unserer eigenen Blockchain berücksichtigen.

Warum haben Sie sich für Blockchain entschieden und keine alternativen Optionen, wie beispielsweise eine Datenbank, genutzt?

Wir haben uns nicht von vornherein auf Blockchain festgelegt. Im Vordergrund stand die Lösung des Kundenproblems. Blockchain kann dieses Problem der Kund:innen teilweise lösen, wie zum Beispiel durch Schaffung von Vertrauen. Eine Alternative wäre eine klassische Web-Lösung gewesen. Die Frage ist jedoch, ob diese Lösung auch noch in vielen Jahren zur Verfügung steht. Diese Beständigkeit ist den Kund:innen wichtig. Sie vertrauen daher deutlich mehr der Blockchain-Technologie, da diese mit Unveränderbarkeit und einer hohen Sicherheit verbunden wird. Insbesondere Großunternehmen haben hier die Vorteile bereits erkannt. Das hat uns eine gute Kontaktbasis in der Aufbauzeit ermöglicht.

Wie sind Sie bei der Entwicklung vorgegangen?

Wichtig war es, zuerst die Anforderungen zu ermitteln. Bei der Verwendung der Blockchain-Technologie haben wir auf einen schlanken Einsatz geachtet. Wir haben sie nur dort eingesetzt, wo sie ihre Stärken ausspielen kann. Der Use Case an sich ist dabei recht einfach: Der CO2-Footprint wird auf Monats- bzw. Jahresbasis dokumentiert, wobei im Vergleich zur Finanzindustrie relativ wenig Daten gespeichert und wenige Transaktionen durchgeführt werden.

Welche spezifischen Kenntnisse, Fähigkeiten oder Ressourcen halten Sie für die Entwicklung bzw. Integration von Blockchain-Lösungen für relevant?

Außerhalb des IT-Bereichs entwickeln nur wenige Unternehmen eigene Software. Dies übernehmen normalerweise IT-Unternehmen. Dabei ist es den KMU egal, ob Blockchain drin ist. Wichtig sind Funktionsfähigkeit und Usability. Mittelständler sollten sich also schon mit der Materie Blockchain beschäftigen, müssen aber nicht zwangsläufig selbst eine entwickeln. Für das Arbeiten mit Blockchain ist es wichtig, einen konkreten Anwendungsfall zu haben, dieser sollte am Bedarf und den Anforderungen der Kund:innen ausgerichtet sein und immer im Vordergrund stehen. Der anspruchsvollste Teil der Entwicklung ist es, das angemessene Maß beim Zusammenspiel von Technologie und wirtschaftlichem Nutzen zu finden. Darüber hinaus ist ein entsprechendes Know-how über die Technologie wichtig. Daher müssen sich auch die Mitarbeitenden mit der Technologie auskennen und entsprechend geschult werden.

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