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Werkstattgespräch: Wege zur Digitalisierung des internen Qualitätsmanagements

Gespräch in der Werkstatt

Qualitätsmanagement kann für Mittelständler zum Problem werden – wenn Kunden zwingend darauf bestehen, aber die personellen und finanziellen Ressourcen knapp sind. Für kleine und mittelgroße Unternehmen empfiehlt es sich deshalb, einfachen und offenen Lösungen besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

Die Anforderungen an Mittelständler wachsen: Kunden und Lieferanten stellen immer mehr auf digitale Daten um, es muss immer mehr in Onlineportalen gepflegt werden, die Automotive-Branche erfordert zwingend den Einsatz von ERP-Systemen, diverse Kennzahlen/Durchlaufzeiten werden intern dringend benötigt (z.B. die Lagerdauer von Halbzeugen). Mit einer Vielzahl praxisnaher Beispiele startete die IT-Trainerin Ulla Reichberg ins Werkstattgespräch am 13. Februar in der Offenen Werkstatt Hagen des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums eStandards. „Der Mittelstand steckt zwischen Baum und Borke“, so Reichberg in ihrem Impulsvortrag, „und wirkt mitunter zerrieben zwischen digitalem Wandel, Anforderungen aus Wirtschaft und Markt und der Notwendigkeit einer stetigen Verbesserung und Steigerung.“

DIN-EN-ISO 9001 ff. als Blaupause

Ihre Schlussfolgerung: Ein funktionierendes Qualitätsmanagementsystem ist eine Voraussetzung für die Digitalisierung – aber nur dann, wenn es „gelebt“ wird und alle Prozesse auch tatsächlich korrekt beschrieben werden. Die DIN-EN-ISO 9001 ff. kann dafür als Blaupause dienen, denn sie legt die Verfahren zur Prozessbeschreibung und -modellierung fest. Die Frage ist, welche Managementtools und Qualitätswerkzeuge für kleine und mittlere Unternehmen tatsächlich geeignet sind.

Informationen verknüpfen

In seiner anschließenden Präsentation zeigte Abdullah Gercek vom IT-Systemhaus pcm in Hagen, welche Möglichkeiten und Vorteile Unternehmen von einem digitalen Wissens- und Qualitätsmanagement haben, das über Standard-Schnittstellen Informationen aus allen eingesetzten strategischen Softwarelösungen verknüpft. Seine Beispiele für interoperable PPS- und ERP-Systeme führten zu einer angeregten Diskussion.

Es wurde deutlich, dass gerade mittelständische Unternehmen höchst unterschiedliche Anforderungen an Schnittstellen haben. Das bedeutet, dass proprietäre Systeme oft schnell an Grenzen stoßen, so dass Kompromisse unvermeidbar sind. Echte Autonomie und Entscheidungsfreiheit für den Anwender ist weitaus eher dann gegeben, wenn Lösungsanbieter den Quellcode ihrer Systeme offenlegen, bzw. Mittelständler wo immer möglich und sinnvoll Open-Source-Lösungen einsetzen.

Aktuelles Umsetzungsprojekt

Dr. Erich Behrendt vom Kompetenzzentrum eStandards berichtete in diesem Zusammenhang von einem aktuellen Umsetzungsprojekt mit Rüther Metalltechnik, in dem beim metallverarbeitenden Betrieb ein Open-Source-Standardtool zur Prozessvisualisierung an die individuellen Anforderungen des Unternehmens angepasst wird. Das Projekt wird voraussichtlich im 1. Quartal 2019 abgeschlossen.

Weitere Informationen zum genannten Projekt finden Sie im Projektsteckbrief des Umsetzungsprojektes mit Rüther Metalltechnik

Autor Ulrich Hardt

Bildquelle: Ulrich Hardt