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Pilotprojekt: Cleveres Energiedatenmanagement mit digitalen Standards bei Möbel Jobst

Möbel Jobst Mitarbeiter vor dem Gebäude

Möbel Jobst Mitarbeiter vor dem Gebäude der Wohnwelt im bayrischen Chiemgau

Die Möbel Jobst GmbH setzt auf Energiedatenmanagement, um Energiekosten und den CO2-Ausstoß zu reduzieren

Die Möbelbranche steht vor vielen Herausforderungen. Um dem immer größeren Anteil von Online-Anbietern und Start-ups im Markt die Stirn zu bieten, muss der klassische stationäre Handel sein Geschäftsmodell optimieren. Dazu gehört auch, alle Leistungen und Kosten des Unternehmens genau im Blick zu haben, einschließlich Energieverbrauch. Gemeinsam mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum eStandards hat Möbel Jobst Einsparpotenziale zur Steigerung der Energieeffizienz ermittelt und optimiert mittels standardbasiertem Energiedatenmanagement die Energiekosten.

Pilotunternehmen: Möbel Jobst GmbH, Traunreut, inhabergeführtes Möbelhaus und Einrichtungspartner, www.jobst-wohnwelt.de

Herausforderung: Wie kann Möbel Jobst den Energie- und Ressourcenverbrauch überwachen, um die Energiekosten und den CO2-Ausstoß zu reduzieren?

Ziel: Ein Energieaudit zeigte Möbel Jobst mögliche Stellschrauben zur Energieeinsparung auf. Das war aber lediglich eine Momentaufnahme. Das Unternehmen möchte aber jederzeit Kenntnisse zum energetischen Status haben, um alle Potenziale zur Energieoptimierung zu nutzen. Dies soll mittels Energiedatenmanagement umgesetzt werden.

Viele Händler befassen sich zwar mit Themen wie der Senkung  von Energiekosten und den Anforderungen durch die Digitalisierung. Aber sie wissen oftmals nicht, wie sie die Herausforderung im eigenen Unternehmen angehen sollen. Ein Problem, welches die meisten Mittelständler haben. Das bestätigt auch Peter Schäfer, Geschäftsführer des Instituts für Nachhaltige Unternehmensführung GmbH (INSE), der das Projekt als Unterauftragsnehmer des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum eStandards betreut.: „Gerade im Energiesektor spielt die Digitalisierung eine Schlüsselrolle. Ohne Transparenz über aktuelle Erzeugung und Verbrauch von Energie ist die erfolgreiche Energiewende gar nicht denkbar. Trotz der zunehmenden Bedeutung sind die Themen Energiesparen und Digitalisierung für Händler oft nicht im Fokus. Die Ressourcen, die man dafür einsetzen muss, könnten an anderer Stelle fehlen. Und der Mittelstand muss sich gut überlegen, wo er Geld und Zeit investiert, um sich im Wettbewerb zu behaupten.“

Möbel Jobst konnte Gaskosten bereits halbieren

Die Möbel Jobst GmbH, gelegen im bayrischen Voralpenland, ist das Thema Energieverbrauch aktiv angegangen. „Mit Hilfe eines externen Beraters haben wir im Rahmen eines umfassenden Energieaudits im Jahr 2016 die Potenziale zur Steigerung der Energieeffizienz ermittelt und erste Maßnahmen zur Kostensenkung und zur CO2-Einsparung umgesetzt“, erklärt Gerhard Jobst, Geschäftsführer des familiengeführten Unternehmens. Das Potenzial im Möbelhandel liegt insbesondere in der Verkaufsfläche, davon hat Jobst schließlich 20.000 m², und der Beleuchtung. Aber auch auf der Erzeugerseite sind mit regenerativen Energien ganz neue Versorgungsstrategien umsetzbar. So standen in einem ersten Schritt die Steigerung der Energieeffizienz in der Beleuchtung der Verkaufsflächen, die Optimierung der Gebäudeheizung mit Fernwärme und die Optimierung der Energiebeschaffung im Fokus. Allein die Gaskosten konnte der Möbelhändler so bereits halbieren. Das nächste Ziel: Die Reduzierung des Stromverbrauchs um zehn Prozent.

Trotz erster Erfolge gibt es noch viel Potenzial zu heben

Jobst hat bereits in energieeffiziente Beleuchtung, moderne Heizungstechnik und Photovoltaik investiert, dennoch liegen die Energiekosten immer noch im sechsstelligen Bereich. Natürlich muss man die Potenziale der Energieeffizienz, die eigenen Prozesse und Verbräuche kennen, um sie energetisch steuern und optimieren zu können. Das Energieaudit war dabei eine Momentaufnahme. „Wir wollen aber jederzeit wissen, wo wir uns energetisch befinden, damit wir alle Chancen zur Energieoptimierung auch nutzen. Dafür brauchen wir ein Energiemonitoring für alle relevanten Verbräuche und den Energiebezug. Wir wollen ‚Big Data‘ im Energiemanagement nutzen, um noch besser zu werden“, erklärt Jobst.

Die Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz ist ein kontinuierlicher Prozess. Daher hat sich das Möbelhaus für eine dauerhafte Begleitung durch einen externen Energiedienstleister entschlossen. Ziel ist, bei der Energieoptimierung auf dem aktuellen Stand der Technik zu bleiben und neu auftretende Chancen zur CO2-Einsparung und Kostenreduzierung konsequent zu nutzen. „Daher haben wir uns auch entschlossen, an dem Projekt des Kompetenzzentrum eStandards teilzunehmen. Denn klar ist: Wer bei den Energiekosten nicht spart, kann auf Dauer nicht im Wettbewerb mithalten“, fasst Jobst zusammen.

Fokus liegt nicht nur Kosten, sondern auch auf Nachhaltigkeit

Das mittelständische Möbelunternehmen steht seit Jahren für Innovation und nachhaltiges Wachstum, aber auch für Verantwortung gegenüber der Umwelt und der Region. „Deshalb liegt es auf der Hand, dass wir uns auch in Sachen Klimaschutz engagieren und mit gutem Beispiel vorangehen wollen. Wir wollen die CO2-Emissionen durch eine Steigerung der Energieeffizienz bei Möbel Jobst konsequent reduzieren. Natürlich haben wir dabei auch unsere Energiekosten deutlich senken können“, sagt Jobst.

Kooperationen spielen im Energiesektor eine große Rolle

Als Mitglied der Möbelkooperation VME-Einrichtungspartnerring kennt Jobst die Vorteile von Zusammenschlüssen mittelständischer Unternehmen. Durch die Bündelung von Einkaufsvolumen und den Bezug von Leistungen des Verbundes ist das Unternehmen auf Augenhöhe gegenüber den Großunternehmen. „Da war es für uns naheliegend, auch im Bereich Energie auf Kooperation zu setzen“, sagt Jobst. „Durch die Zusammenarbeit mit Beratungsprofis können wir uns auf unsere Kernkompetenzen – den Möbelhandel – konzentrieren, während die externen Energieexperten unseren Ressourcenverbrauch überwachen und in enger Abstimmung mit uns optimieren.“

Die Erfassung und Auswertung der Energieverbrauchsdaten des Unternehmens sowie die Optimierung der Energieeffizienz ist eine komplexe Aufgabe für Experten, die in mittelständischen Unternehmen meist nicht vorhanden sind. Anders als in Großunternehmen ist es für den Mittelstand nicht sinnvoll, eigene Energiemanager für das Energiemonitoring zu beschäftigen. „Daher ist es für uns ideal, dass wir diese Aufgabe an einen Energieexperten ausgliedern konnten“, freut sich Jobst.

Der Schlüssel sind offene Nachrichtenstandards

Erst die zeitnahe Erfassung und Übermittlung von Energieverbrauchsdaten ermöglicht ein kontinuierliches Monitoring und damit die Möglichkeit, Ineffizienzen schneller aufzudecken als dies mit der Übermittlung der Jahresverbrauchsabrechnung und der Lastgangdaten durch den Energieversorger möglich wäre. Solche Energiedienstleistungen bieten für mittelständische Unternehmen noch große Chancen, denn die Energiekosten pro Quadratmeter liegen in der Möbelbranche weit auseinander.

Vielen Unternehmen fehlt neben der Marktkenntnis auch das Vertrauen, externe Lösungen mit Energiedienstleistern aufzusetzen, die ihnen helfen, ein Energiemanagement im Unternehmen umzusetzen. Ein wichtiger Punkt für den Handel ist natürlich auch, dass er auf offene Standards angewiesen ist, um nicht einzelnen Anbietern von Energiedienstleistungen gegenüber abhängig zu werden. So wurde für die Energiedatenübermittlung des Möbelhändlers eine offene Lösung entwickelt, die auch anderen Mittelständlern für das Energiemanagement zur Verfügung stehen soll. Damit wird der Einsatz von Standards wie MSCONS, DLMS, COSEM vorangetrieben, die Produktivität und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens nachhaltig gesteigert und Transfer-Know-how für die Kompetenzentwicklung mittelständischer Unternehmen im Bereich der Digitalisierung des Energiemanagements generiert.

„Dieses Pilotprojekt im Energiemanagement ist hier ein guter Ansatz, die Bedeutung von offenen Standards hervorzuheben, denn es geht darum, die Energieverbrauchsdaten von Möbel Jobst unter Nutzung eines offenen Nachrichtenstandards für die elektronische Kommunikation an den externen Dienstleister zu übermitteln, damit dieser als externe ‚Energieleitstelle‘ das Monitoring übernehmen kann“, fasst Schäfer von INSE zusammen.

Den Projektsteckbrief der Möbel Jobst GmbH finden Sie hier

BIldquelle: Peter Schäfer, INSE

Autor: Tobias Wolff

Haben auch Sie Fragen?

So vielfältig wie die Geschäftsfelder sind auch die Pilotprojekte im Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum eStandards. In den Projekten arbeiten wir gemeinsam mit kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) an konkreten digitalen Umsetzungsideen, mit denen auch Sie u.a. positive Effekte in puncto Effiziez und Nachhaltigkeit erzielen können.

Innovative, digitale Lösungen mit elektronischen Standards entwickeln und umsetzen – darum geht es bei den Pilotprojekten des Kompetenzzentrums. Wenn Sie mit und in Ihrem Unternehmen ein solches Projekt - von dem auch andere KMU profitieren können - planen, sprechen Sie uns gerne an. Das Kompetenzzentrum begleitet ihr Digitalisierungsvorhaben kostenlos und anbieterneutral.

Klaus Kaufmann

Umsetzungsprojekte und Standards
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Tel: +49 221 94714-415
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Autor: Tobias Wolff

Kontakt:
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