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Lean-Management mit Standards: Konzentration auf das Wesentliche

Maag: Lean Management mit Standards

Die fast vierzigjährige Geschichte des Verpackungsfolienherstellers Maag GmbH in Iserlohn kann man getrost als „wechselvoll“ beschreiben. Heute hat das Unternehmen eine gesicherte Position in einem umkämpften Markt und setzt auf optimierte Prozesse, digitale Vernetzung, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Digital ist nicht gleich digital“ informierten sich 30 mittelständische Unternehmer über die Strategie, die Prozessorganisation, Digitalisierungsschritte und den Einsatz von Standards.

Die Maag GmbH wurde 1982 gegründet; der Chef und zwei Mitarbeiter fertigten damals Folienverpackungen für einen einzigen Kunden, einen weltweit bekannten Spielzeughersteller. Diese Partnerschaft funktionierte gut, bis dieser einige Jahre später in wirtschaftliche Schieflage geriet und massiv Kosten einsparen musste. In Südosteuropa fand der Kunde einen Folienlieferanten, der 40% günstiger produzierte als das kleine Unternehmen im Märkischen Kreis – und Maag hatte ein Problem.

„Um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern, wurden damals mit viel Aufwand und hohen Investitionen innovative Produktentwicklungen vorangetrieben“, erinnert sich Bernd Hecking, heute Technical Director bei Maag. „Leider waren die Produkte teilweise ihrer Zeit voraus, wie z. B. biologisch abbaubare Folien, oder sie hatten mit unserer Kernkompetenz schlicht nichts zu tun. Im Automotive-Bereich hatten wir einfach nichts zu suchen.“

Wieder einige Jahre später hatte sich der Unternehmensgründer aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Eine neue Führungsmannschaft um den heutigen Geschäftsführer Ansgar Schonlau beschloss einen Strategiewechsel, der die Basis für den heutigen Erfolg bedeutete: Mit Konzentration auf die Kernkompetenzen und Optimierung aller internen Prozesse sollte das Unternehmen fit für die Zukunft gemacht werden. Zwischen 2014 und 2017 wurde der Maschinenpark komplett erneuert und von 46 auf nur 8 Maschinen verschlankt.

Standards für Lean-Management für neue Leistungsangebote

Wie in vielen mittelständischen Unternehmen waren bei Maag die internen Prozesse „historisch gewachsen“, d. h. uneinheitlich und vielfach durch manuelle Tätigkeiten bestimmt. Um dem Wettbewerbs- und Preisdruck standhalten zu können, wurden alle Prozessschritte durchgängig standardisiert; so konnten sie außerdem 1:1 im ERP-System abgebildet werden. Mit der Belegschaft wurden klare und eindeutige Zielvereinbarungen getroffen.

Diese Standardisierung und Digitalisierung von Prozessen führt dauerhaft zu mehr Schnelligkeit, mehr Sicherheit, Fehlervermeidung und Ressourcenschonung. Damit ist Maag auch in der Lage, seinen Kunden völlig neue Lösungen bei der Folienbevorratung und eine flexiblere, schnellere Umsetzung von neuen Druckmotiven anzubieten.

Die Zukunft ist digital

Mit bisher einem Kunden nutzt Maag die Vorteile der GTIN und der digitalen Vernetzung via elektronischem Datenaustausch EDI: Auf Basis dieser internationalen Standards für Produktkennzeichnung und elektronischen Datenaustausch entstehen höchste Prozesssicherheit, Transparenz und Rückverfolgbarkeit von Chargen und Produkten. Sowohl bei Maag, als auch beim Kunden werden administrative Kosten spürbar gesenkt. Deshalb ist eine EDI-Vernetzung mit weiteren Abnehmern geplant.

Bernd Hecking: „Wichtig ist, dass man jede Art von `Insellösungen‘ vermeidet und Standards als `Dolmetscher‘ an den jeweiligen Schnittstellen nutzt.“ Auf diese Weise sind im Hause Maag bereits einige Weiterverarbeitungsmaschinen an das ERP-System angebunden, bald soll auch der Wareneingang digitalisiert werden.

Bei der strategischen Planung setzt Maag auf Megatrends wie Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung. Auch bei diesen beiden Themen spielen Standards und digitale Systeme eine entscheidende Rolle.
 

Autor: Ulrich Hardt

Bildquelle: Nico Piepenstock