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KI und die Potenziale für innovative Geschäftsmodelle im Mittelstand

KI-bezogene Geschäftsmodelle

Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum eStandards unterstützt kleine und mittelständische Unternehmen, digitale Geschäftsideen zu entwickeln und nachhaltig in die Praxis umzusetzen. Zunehmend sind Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz (KI) dabei ein wichtiger Baustein. Ende September fand dazu die Veranstaltung „KI in der Unternehmenspraxis – Definition, Potentiale, Anwendungsbereiche“ vom Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum eStandards und der IHK zu Leipzig statt.

Künstliche Intelligenz – stark oder schwach?

Künstliche Intelligenz (KI) ist erst einmal sehr abstrakt, weshalb sowohl Forscher als auch Praktiker unterschiedliche Ansätze in der Beschreibung dieses Begriffs wählen. Es gibt daher nicht nur eine KI-Definition. Ein weit verbreiteter Ansatz ist jedoch die Unterscheidung in starke und schwache KI. [1]

Mit starker KI werden die Systeme mit Fähigkeiten bezeichnet, die den menschlichen Fertigkeiten gleichkommen oder diese übertreffen. Diese Form von technischen Systemen existiert bisher allerdings nicht. Inwiefern dies zukünftig realisierbar ist, ist eine grundlegende Frage unter Experten. [2]

Unter schwacher KI versteht man dahingehend technische Lösungen, die konkrete Aufgaben bewältigen. In der KI-Strategie der Bundesregierung wurde folgendes Begriffsverständnis dafür formuliert: „Die (schwache) KI ist fokussiert auf die Lösung konkreter Anwendungsprobleme auf Basis der Methoden aus der Mathematik und Informatik, wobei die entwickelten Systeme zur Selbstoptimierung fähig sind. Dazu werden auch Aspekte menschlicher Intelligenz nachgebildet und formal beschrieben bzw. Systeme zur Simulation und Unterstützung menschlichen Denkens konstruiert." [1]

Nach dieser Definition ist die schwache KI, betriebswirtschaftlich betrachtet, auch für die Wertschöpfung des Mittelstands relevant. Durch die Nachbildung bestimmter menschlicher Fähigkeiten sollen Probleme effizient gelöst und Ziele schnellstmöglich erreicht werden.

 

Wertschöpfungspotenziale von KI für mittelständische Unternehmen

Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz ist kein neues Phänomen in der deutschen Wirtschaft. Bereits vor über zehn Jahren fand KI in 20 Prozent der deutschen Unternehmen, vor allem im Dienstleistungsbereich, Anwendung. Zwischen 2010 und 2015 hat sich der KI-Einsatz noch einmal verdoppelt. Damals waren über 39 Prozent der KI einsetzenden Unternehmen dem Fahrzeugbau zuzuordnen. Seit der zweiten Hälfte der 2010er Jahre beschleunigte sich die Verbreitung von KI noch einmal deutlich. Signifikant eingesetzt wurden KI-Systeme dann vor allem in der Chemie- und Pharmabranche, im Großhandel und zuletzt auch im Verkehr, der Logistik und der Finanzdienstleistungsbranche. [3]

Vor diesem Hintergrund gibt es bereits zahlreiche Analysen zum Wertschöpfungspotenzial von KI. 2018 sprach eine Studie des McKinsey Global Institute von einem weltweit jährlichen Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in Höhe von durchschnittlich 1,2 Prozentpunkten bis 2030. [4] Global gesehen wird ein Umsatz mit KI-Anwendungen von rund 90 Mrd. USD für 2025 erwartet. Dabei besteht die Annahme, dass fast die Hälfte davon in Nordamerika und jeweils ein Viertel davon in Europa und Asien erwirtschaftet wird. [5] Mittelstand-Digital prognostizierte 2019 für Deutschland ein KI-induziertes Wachstum in Höhe von 1,3 Prozentpunkten und KI-induzierte Wachstumseffekte von durchschnittlich ca. 50 Mrd. EUR jährlich. [6]

Allen Analysen gemein ist dabei, dass sie hohes Wachstumspotenzial für Künstliche Intelligenz sehen, was kleinen und mittleren Unternehmen für die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle große Chancen bietet.

 

Künstliche Intelligenz als Erfolgsfaktor für Geschäftsmodelle von KMU

Nach unserem Verständnis von Geschäftsmodellentwicklunggeben Geschäftsmodelle Auskunft darüber, welchen Nutzen ein Unternehmen für seine Kunden generiert, wie dieser Nutzen für den Kunden erbracht werden kann und wie das Unternehmen damit Gewinn erwirtschaftet.

Künstliche Intelligenz kann dabei zur Veränderung des Wertversprechens und zu allen Bereichen des Geschäftsmodells beitragen sowie wesentliche Wettbewerbsvorteile generieren. Zudem kann KI durch Automatisierung und Beschleunigung von internen Prozessen Geschäftsmodelle disruptiv verändern. Eine Erweiterung klassischer Geschäftsmodelle um neue intelligente Dienstleistungen ist dadurch möglich. Sehr große Chancen sind hierbei vor allem die gesteigerte Prozesseffizienz, die zielgenaue Werbung, der verbesserte Kundenservice, die Produktinnovation sowie die Optimierung der Distribution und Logistik. 

 

Eine 2019 von Mittelstand-Digital unter Experten durchgeführte Befragung hat insbesondere die Logistik, die Produktion und den Einkauf als geeignete Unternehmensbereiche für den KI-Einsatz im Mittelstand identifiziert. 

Die genannte Befragung kam allerdings auch zu dem Schluss, dass fehlendes Know-how sowie eine mangelnde Datenbasis und Datensicherheitsbedenken aktuell noch die Nutzung von Künstlicher Intelligenz in KMU hemmt. Eine weitere Herausforderung sah man zudem in der aktuell noch unzureichenden digitalen Infrastruktur in vielen mittelständischen Unternehmen. [6] Ein weiterer Wissensaufbau und Wissenstransfer über Künstliche Intelligenz und seine Möglichkeiten im Mittelstand sind daher unerlässlich.

Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum eStandards: Über KI informieren und mit dem Mittelstand diskutieren

Ende September führte das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum eStandards gemeinsam mit der IHK zu Leipzig eine Veranstaltung zum Thema „KI in der Unternehmenspraxis – Definition, Potentiale, Anwendungsbereiche“ durch. Die Agenda enthielt Impulsvorträge zur Einordnung von KI sowie Praxisberichte regionaler Unternehmen, die im Bereich der KI tätig sind. Holger König, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer IMW, war als Vertreter der Offenen Werkstatt Leipzig des Kompetenzzentrums eStandards vor Ort und erläuterte die aktuellen Chancen und Herausforderungen von KI-basierten Geschäftsmodellen. In einer abschließenden Diskussion wurden die verschiedenen Aspekte der KI mit allen Teilnehmenden noch einmal vertiefend diskutiert. Dabei wurden konkrete Einsatzfelder von KI-Anwendungen, insbesondere in den Bereichen Handel & eCommerce, Smart City sowie Kundenservice, im Mittelstand erarbeitet.

„Der direkte Austausch mit Mittelständlern ist für unsere Arbeit im Kompetenzzentrum eStandards von großer Bedeutung. Veranstaltungen wie diese ermöglichen es uns, ein Gespür dafür zu bekommen, wo der Mittelstand im Bereich KI steht, welches Verständnis er hat und wie wir dabei am besten mit unseren Angeboten unterstützen können. Gleichzeitig entstehen durch die Diskussion bereits konkrete Ideen, bei deren Umsetzung wir die einzelnen Unternehmen in der Folge beratend unterstützen können“, fasst König zusammen.

 

Künstliche Intelligenz und eStandards

Mit der Vielzahl an Einsatzfeldern von KI entstehen Bedarfe bezüglich Interoperabilität der Systeme, Best Practices für den Einsatz sowie Vertrauen und Sicherheit. Normen und Standards können hierbei einen Beitrag leisten und einen Transfer in den Mittelstand ermöglichen.

Wie dieser Beitrag und wie Künstliche Intelligenz konkret in einzelnen KMU aussehen kann, drüber informieren und beraten wir, das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum eStandards, gerne. „In unseren Offenen Werkstätten bieten wir mittelständischen Unternehmen mit unseren Demonstratoren Lösungen zum Anfassen und Ausprobieren an. Unsere regelmäßigen Informationsveranstaltungen geben darüber hinaus Gelegenheit zum Austausch und Netzwerken. Auf diese Weise konnten wir bereits zahlreiche digitale Geschäftsideen gemeinsam mit interessierten Unternehmen in Workshops unter die Lupe nehmen und schärfen. Zunehmend rücken hier auch KI-basierte Geschäftsmodellentwicklungen in den Mittelpunkt, bei denen unsere KI-Trainer aktiv beraten“, sagt Marija Radic, Projektleiterin der Offenen Werkstatt Leipzig.

Alle Angebote der Offenen Werkstatt Leipzig finden Sie hier im Überblick: www.estandards-mittelstand.de/ueber-uns/digital-werkstaetten/offene-werkstatt-leipzig/

 

Quellen:

[1] Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2018): Strategie Künstliche Intelligenz der Bundesregierung, www.bmbf.de/files/Nationale_KI-Strategie.pdf (aufgerufen am 08.10.2020)

[2] Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2020): Künstliche Intelligenz.ChanceKI, www.bmbf.de/upload_filestore/pub/Kuenstliche_Intelligenz.pdf (aufgerufen am 08.10.2020)

[3] Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) (2020): Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Deutschen Wirtschaft. Stand der KI-Nutzung im Jahr 2019, www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Wirtschaft/einsatz-von-ki-deutsche-wirtschaft.html (aufgerufen am 08.10.2020)

[4] McKinsey Global Institute (2018): Notes from the frontier: Modeling the impact of AI on the World Economy. Discussion Paper. September 2018, www.mckinsey.de/~/media/McKinsey/Locations/Europe%20and%20Middle%20East/Deutschland/News/Presse/2018/2018-09-05%20-%20MGI%20AI-Studie%20Dampfmaschine/MGI-Studie_Notes_from_the_Frontier_2018.pdf (aufgerufen am 10.10.2020)

[5] Brandt, M. (2018). Das Milliardengeschäft mit der künstlichen Intelligenz. Statista. Statista GmbH, de.statista.com/infografik/14245/prognostizierter-umsatz-mit-ki-anwendungen-weltweit/ (aufgerufen am 10.10.2020)

[6] Lundborg, Martin & Märkel, Christian (2019): Künstliche Intelligenz im Mittelstand Relevanz, Anwendungen, Transfer. Eine Erhebung der Mittelstand-Digital Begleitforschung. Begleitforschung Mittelstand-Digital WIK GmbH (Hrsg.), www.mittelstand-digital.de/MD/Redaktion/DE/Publikationen/kuenstliche-intelligenz-im-mittelstand.pdf (aufgerufen am 08.10.2020)

Kontakt:
geschaeftsstelle@kompetenzzentrum-estandards.digital
Tel.: +49 221 94714-505
Fax: +49 221 94714-7505

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