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Der GS1-128 Barcode als Schlüssel zur Sendungsverfolgung

GS1-128 Barcode als Schlüssel zur Sendungsverfolgung

Einsatz des GS1 Transportetiketts als Basis für den standardisierten Austausch von Informationen und damit zur Verbesserung der Möglichkeiten zur Steuerung und Nachvollziehbarkeit von Warenströmen.

Für viele Unternehmen die sich für das Thema eBusiness und eStandards interessieren, ist häufig vor allem der Start in ein Projekt eine große Herausforderung. Wie fängt man an? Was muss alles beachtet werden? Wo liegen die Risiken und Chancen? Wir fördern die Kompetenz von kleinen und mittleren Unternehmen in Sachen Digitalisierung mit Standards. So, wie es bereits das ehemalige Förderprojekt PROZEUS vorgemacht hat und beispielsweise die Firma Aeroxon beim Einsteig in die komplexe Welt des eBusiness durch Implementierung des GS1 Transportetiketts begleitet hat. Eine Lösung, die bis heute tragfähig ist und vielen Unternehmen hiflt, ihre Versorgungskette konsequent an den Wünschen und der Nachfrage des Endverbrauchers auszurichten.

ECR-Fähigkeit mit GS1-128 Barcode, NVE / SSCC und elektronischen Datenaustausch von Nachrichten im EANCOM®-Format  erhöhen

Um diese sogenannte Efficient Consumer Response (ECR) zu erzielen, reichen Unternehmen Informationen zur Bedienung der Nachfrage in der logistischen Kette weiter und können auf diese Weise den Endverbrauchern ein Optimum an Qualität, Service und Produktvielfalt bieten. Das standardisierte GS1 Transportetikett ist ein Baustein, um die ECR-Fähigkeit eines Unternehmens zu erhöhen. Denn um den Anforderungen eines effizienten Waren- und Informationsflusses im Sinne von ECR entlang der Logistikkette gerecht zu werden, bedarf es der ordnungsgemäßen Kennzeichnung von Versandeinheiten (z. B. Paletten und Rollcontainer) und der Bereitstellung ihrer logistischen Informationen. Das GS1 Transportetikett wird an der Versandeinheit befestigt. Es bildet Informationen über diese Einheit in klarschriftlicher und barcodierter Form im GS1-128 Barcode ab und dient damit der automatischen Identifizierung der Ware. Der GS1-128 Barcode mit seinen maßgeblichen Säulen – der geschützten Datenträgertechnologie, dem Datenbezeichnerkonzept sowie der NVE / SSCC (Nummer der Versandeinheit) als weltweit eindeutige Packstückidentifikation – ist Basis moderner Warenwirtschaftssysteme. In Kombination mit dem elektronischen Datenaustausch EDI von standardisierten Nachrichten z. B. im EANCOM®-Format ermöglicht er:

  • hohe Auskunftsfähigkeit über den Stand der Waren- und Güterbewegungen
  • Erfüllung der rechtlichen Anforderungen zur Produktidentifikation und Rückverfolgbarkeit
  • Verkürzung von Transport- und Lieferzeiten
  • Fehlervermeidung
  • Förderung der Lieferzulässigkeit und -pünktlichkeit

Von diesen Vorteilen wollte auch Aeroxon profitieren und setzte von Juni 2003 bis Ende 2004 ein entsprechendes Praxisprojekt um.

Die Aeroxon Insect Control GmbH

Umweltfreundliche und effiziente Schädlingsbekämpfung, dafür steht das in Waiblingen bei Stuttgart ansässige Familienunternehmen Aeroxon Insect Control GmbH seit über 100 Jahren. Das mittelständische Familienunternehmen wird heute von Thomas Updike, dem Urenkel des Firmengründers Theodor Kaiser geleitet. Dieser entwickelte 1909 den „Fliegenfänger am Band“. Der Eintrag des Aeroxon Fliegenfängers in die Warenzeichenrolle im Januar 1911 gilt als Geburtsstunde der Marke Aeroxon. Heute besteht das Sortiment aus mehr als 30 umweltverträglichen und in der Anwendung unbedenklichen Schädlingsbekämpfungsmitteln, die Aeroxon zu einer führenden Herstellermarke im deutschen Handel machen (Quelle: Nielsen Haushaltsinsektizide Deutschland 2017, Umsätze Deutschland 2017).

Die Herausforderung für die Aeroxon Insect Control GmbH

Wer wie die Firma Aeroxon Warenströme effizient steuern will, braucht dazu transparente Informationsströme. Bei zunehmender Anzahl von Transaktionen und längeren Transportwegen in der Weltwirtschaft nimmt die Bedeutung von Standardprozessen im elektronischen Geschäftsverkehr (eBusiness) zu. Die Empfehlungen zum GS1 Transportetikett regeln sowohl eine weltweit eindeutige, überschneidungsfreie Identifikation von Produkten und Lokationen als auch eine maschinelle Kommunikation ohne Medienbrüche.

Vor Beginn des Projekts empfing Aeroxon bereits von verschiedenen Handelspartnern Auftragsdaten (ORDERS) im EANCOM®-Nachrichtenformat, allerdings erfolgte die Auftragserteilung von Aeroxon an DHL in einem Aeroxon/DHL-individuellen Datenformat. Es gab keine vorauseilenden Lieferavise (DESADV) von Aeroxon/DHL im EANCOM®-Nachrichtenformat an den Handel, genauso wurden von Industriepartnern keine EANCOM®-Nachrichtenformate empfangen. Rechnungen wurden zwar im Format INVOIC von Aeroxon erstellt, jedoch in einem individuellen Format an die jeweiligen Handelspartner versendet. Ware, die von der Produktion in das DHL-Lager nach Schwieberdingen verbracht wird, wurde nicht mit einer Nummer der Versandeinheit (NVE / SSCC) versehen. Eine durchgehende Sendungsverfolgung war daher nicht möglich. Es gab auf Packstückebene kein Transportetikett mit einer NVE / SSCC, und damit keine logische Verbindung zwischen Ware und Datensatz. Damit konnte der aktuelle Verbleib der Ware innerhalb der Lieferkette nicht ermittelt und die Anforderungen an die Rückverfolgbarkeit nicht sichergestellt werden.

Diese Ziele verfolgte Aeroxon konkret im Rahmen des Praxisprojekts:

Ziel von Aeroxon war der Einsatz des GS1 Transportetiketts im Unternehmen Aeroxon. Aeroxon, DHL und EDEKA wollten ihre Datenkommunikationen und das komplette Warenhandling in der Form umgestalten, dass es aus Sicht der ECR-Empfehlungen (Efficient Consumer Response) dem zukünftigen Marktstandard entspricht. Der Einsatz des GS1 Transportetiketts sollte die Basis für den zukünftig standardisierten Austausch von Informationen bilden und die Möglichkeiten der Steuerung und Nachvollziehbarkeit von Warenströmen verbessern. Die konkreten Einzelziele lauteten:

  • Verbesserung der Wirtschaftlichkeit
    Durch den Einsatz des GS1 Transportetiketts müssen Informationen nicht mehr handschriftlich erfasst werden. Das automatische Einlesen von Daten spart Kosten, erhöht die Prozesssicherheit und vermeidet Fehler. Das Scannen an verschiedenen Punkten der logistischen Kette steigert die Transparenz und unterstützt damit eine effiziente Sendungsverfolgung sowie einen effizienten Warenrückruf.
  • Erhöhung der Informationsbereitschaft
    Der Einsatz des GS1 Transportetiketts verbindet den physischen Warenverkehr mit dem elektronischen Informationsfluss. Das Datenmanagement erfordert heute, dass Informations- und Warenfluss lückenlos verfolgt werden.
  • Qualitätsverbesserung und Verkürzung von Durchlaufzeiten
    Der Einsatz des GS1 Transportetiketts macht in Kombination mit der entsprechenden technischen Ausstattung (Scanner) vereinfachte, schnellere und sichere Prozesse möglich; beginnend im Wareneingang (z. B. für Logistikdienstleister und Handelspartner), bei Inventuren und Umlagerungen bis hin zum Warenausgang
  • Optimierung der partnerschaftlichen Zusammenarbeit (ECR-Fähigkeit)
    Der Einsatz des GS1 Transportetiketts ermöglicht die Zusammenarbeit von Unternehmen auf Basis standardisierter Schnittstellen/Nachrichten. Dies verbessert die Beziehung zwischen Geschäftspartnern. Das Sprechen „einer gemeinsamen Sprache“ ist ein wesentlicher ECR-Gesichtspunkt.

Das automatische Einlesen von Daten spart Kosten, erhöht die Prozesssicherheit und vermeidet Fehler. Dadurch sollten Durchlaufzeiten verkürzt und die Wirtschaftlichkeit von Aeroxon verbessert werden. Neben diesen quantitativen Faktoren beeinflussten das Vorhaben auch qualitative Faktoren wie die Qualität von Informationen sowie die Bereitschaft diese Informationen mit Partnern zu teilen. Hier bestand erhebliches Verbesserungspotential, das im Rahmen des Projektes ausgeschöpft werden sollte.

Der Nutzen für die Aeroxon Insect Control GmbH und weitere KMU

Die bestehenden Organisationsstrukturen im physischen Warenprozess (vom Werk Aeroxon über Aeroxon-Zentrallager, DHL bis EDEKA Minden) wurden durch Nutzung der NVE / SSCC mit Verschlüsselung im GS1-128 Barcode optimiert und auf den Einsatz logistischer Nachrichten (EANCOM®) "vorbereitet". Die erfolgreiche Einführung des GS1 Transportetiketts hat zu einer erheblichen Kostenersparnis bei der Bearbeitung von Paletten im Warenein- und -ausgang der beteiligten Unternehmen geführt. Durch die automatische Erfassung einzelner Paletten wurden die Kosten pro Palette um rund 70 Cent gesenkt. Hiervon profitierten sowohl der Hersteller Aeroxon, der beteiligte Logistiker DHL als auch der Händler EDEKA. Außerdem wurde der Einsatz der bisher eingesetzten EANCOM®-Nachrichten ORDERS und INVOIC intensiviert sowie auf weitere EANCOM®-Nachrichten ausgeweitet (z.B. INSDES, DESADV und RECADV). Somit sind die zum Projektstart definierten quantitativen und qualitativen Zielsetzungen wie Kosteneinsparung und Steigerung der Informationsqualität erfüllt worden. Darüber hinaus trägt die partnerschaftliche Umsetzung des Projektes über mehrere Stufen der Prozesskette hinweg dem ECR-Gedanken Rechnung.

Die Wirtschaftlichkeitsrechnungen im Rahmen des Projektes stützten sich auf:

  • Investitionskosten und sonstige Umstellungskosten
  • Prozessbeschleunigung (beispielsweise beim Wareneingang bzw. bei der Inventur)
  • Steigerung der Zuverlässigkeit der Daten durch weniger Erfassungsfehler
  • Nutzen durch Einsatz der Identifikationsstandards in Kombination mit Barcode-Standards

Bereits jetzt haben sich die beteiligten Unternehmen darauf verständigt, eine über die im Förderprojekt PROZEUS abgebildete Einführung des GS1 Transportetiketts hinausgehende Umsetzung der EANCOM®-Nachrichtentypen anzustreben. Außerdem wird durch eine intensivere Zusammenarbeit und einen kontinuierlichen Austausch angestrebt, weitere Möglichkeiten zur Verbesserung innerhalb der bestehenden Geschäftsbeziehungen zu identifizieren.

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Autor: Tobias Woff

 

Bildquelle: GS1 Germany GmbH / iStockphoto